Helen de Witt

As a programmer of the BFI London Film Festival, it is with great concern that I have learnt of changes in the funding structure for cultural film in Austria. As I understand the situation, the leading experts on advisory council for Innovative Film Austria, who have led Austrian experimental, documentary and independent feature films to such international success, have been replaced by people who have no experience of this kind of work and its significance for the cultural heritage of Austrian film. The BFI London Film Festival has screened many films supported by the Innovative Film Austria over the years. I am now concerned, as a result of this change, that in future years there may be no representation from Austria in the UK’s foremost international film festival.
I also understand that funding for film festivals in Austria is under review. Again, this is an alarming situation as film festivals are a vital showcase for promoting new films by new filmmakers, helping them establish their national and international reputations.
I don’t understand why the list of qualified experts for these advisory councils who had been proposed by Innovative Film Austria seems to have been ignored. It seems foolhardy to risk Austria’s track record of producing some of the best global cultural filmmakers in this way. The gender balance also seem to be completely out of keeping with contemporary thinking about gender equality.
I would like to urge the Austrian authorities to reconsider this situation. It would be very sad to see Austrian film fall from its long held place close to the top of international filmmaking for experimental, documentary and independent feature films. It would also be damaging for the amazing filmmaking talent that continues to emerge for Austria to be jeopardised. This would be a loss to Austria but also a loss to the BFI London Film Festival and UK audiences, festivals around the world and international film culture itself.
Helen de Witt, Programme Advisor BFI London Film Festival (Experimenta), Lecturer in Film Studies Birkbeck University of London and University of the Arts London

Koyo Yamashita

Aufgrund seiner gewagten Herangehensweise ist der österreichische Avantgarde- und Arthouse-Film für viele FilmemacherInnen, AkademikerInnen, KritikerInnen und das allgemeine Filmpublikum in Japan seit mehreren Jahrzehnten etwas ganz Besonderes. Für eine Organisation wie das Image Forum, das sich dem experimentellen Film verschrieben hat, waren österreichische Filme bisher von großer Wichtigkeit, sowohl in unserem Image Forum Festival als auch in unserem Kino-Theater-Image-Forum. Auch unser bisher größter Kinohit ist ein österreichischer Film: „Unser täglich Brot“ von Nikolaus Geyrhalter, der 2007 in 37 Wochen mehr als 30000 Einschaltquoten verzeichnen konnte. 1997 und 2012 veranstalteten wir in Zusammenarbeit mit sixpackfilm Retrospektiven des österreichischen Avantgarde-Kinos, die unsere Filmszene stark beeinflussten.
Japan ist nicht nur geografisch, sondern auch gedanklich weit von Europa und Österreich entfernt, die Japaner wissen nur wenig über Österreich. Jedoch haben jene Filme effektiv dazu beigetragen, hier ein starkes Bild der österreichischen Kultur zu vermitteln.
Es wäre mit Sicherheit keine weise Entscheidung, die stark florierende innovative Filmkultur nicht mehr zu fördern und sie, wie in anderen Ländern, gewöhnlich werden zu lassen. Wir fordern eine starke Unterstützung für die Vielfalt und Innovationskraft des österreichischen Films.
Koyo Yamashita, Director of Image Forum, Tokyo

Duisburger Filmwoche / doxs!

Die Duisburger Filmwoche ist ein Ort, der auf das innovative Kino aus Österreich setzt. Wir wollen von Film etwas wissen, so wie diejenigen, die künstlerische Filme ermöglichen, etwas über Filmkunst wissen sollten. Die in der Erklärung der IG Filmkultur beschriebenen Entwicklungen negieren eine langjährige und über Landesgrenzen hinaus erfolgreiche künstlerische Praxis. Für uns ist nicht nachvollziehbar, welche Hoffnung sich mit dieser Besetzungspolitik verbindet. Eine fachlich fundierte, künstlerisch vielversprechende Perspektive, die auch um die Bedeutung von Genderfragen weiß, scheint es nicht zu sein.

Die Freiheit der Kunst ist der Freiheit, politische Entscheidungen zu überdenken und zu korrigieren, nicht unähnlich. Wir plädieren dafür, diesen Spielraum zu nutzen.

„Jeder Mensch macht Fehler. Das Kunststück liegt darin, sie dann zu machen, wenn keiner zuschaut.“ (Peter Ustinov)

So gerät auch das Misslingen bisweilen zum dokumentarischen Glücksfall.
Gudrun Sommer, Christian Koch und das Team der Duisburger Filmwoche / doxs!

Filmfestival Max Ophüls Preis

Wir unterstützen den offenen Brief der IG Filmkultur. Das Filmfestival Max Ophüls Preis gilt als das bedeutendste Festival für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm. Seit vielen Jahren beobachten wir die Entwicklung von Filmtalenten in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich. Es gehört zu den bemerkenswertesten Errungenschaften der österreichischen Filmkultur, junge Filmemacher·innen immer wieder zu künstlerisch eigenwilligen Handschriften und zu filmischen Experimenten zu ermutigen, die in ihrer Konsequenz in anderen deutschsprachigen Kinematografien ihresgleichen suchen. Ein solcher international mit großer Anerkennung behafteter Erfolg hat zweifellos zahlreiche Ursachen, zu denen auch die strukturelle Ausrichtung der österreichischen Filmförderung gehört. Wie speziell beim BKA festgeschrieben, filmische Innovation und künstlerische Konsequenz zu fördern, verlangt inhaltliche Kompetenz, politische und persönliche Unabhängigkeit sowie eine Leidenschaft für die Vielfalt kulturellen Ausdrucks. Weil genau das gelungen schien, konnten BKA-geförderte Arbeiten die Wettbewerbe unseres Festivals über Jahre hinweg bereichern – erst im Januar hat Kurdwin Ayub mit ihrem brillanten Kurzfilm BOOMERANG den renommierten „Max Ophüls Preis: Bester Kurzfilm“ gewinnen können. Im Sinne der Filmkunst erscheint es uns nicht nachvollziehbar, Erfolge wie diese aufs Spiel zu setzen. Darum unterstützen wir die Forderung an den Kulturminister, die Entscheidung bezüglich des Beirats der „Abteilung II/3 – Film“ des BKA zu überdenken – und zwar nicht nur im Bereich Filmförderung. Auch auf dem Gebiet der Festivalförderung ist ein hohes Maß an Expertise und eine große Perspektivenvielfalt erforderlich, um im Sinne einer florierenden Filmkultur zu entscheiden.
Svenja Böttger, Festivalleitung. Filmfestival Max Ophüls Preis (Saarbrücken)
Oliver Baumgarten, Head of Programme. Filmfestival Max Ophüls Preis (Saarbrücken)

Marie-Pierre Duhamel

Für alle Film- und Kulturschaffenden in Europa und anderswo, ist es unabdingbar versichert zu sein, dass die große österreichische innovative, experimentelle und Autoren-Filmtradition fortgeführt wird. Dies kann nur durch gut ausgewählte Experten aufrechterhalten werden.
Marie-Pierre Duhamel, Independent film programmer and lecturer (France / China)

Gonzalo de Pedro Amatria

Diesen Brief könnte man nur mit Namen füllen: all die österreichischen Künstler die über all die Jahre den Rahmen und die Definitionen von Kunst und Kino international neu geformt haben. Diesen Brief könnte man nur mit Titeln füllen: all die Titel dieser unglaublichen Filme, Videos oder Kunst-Erfahrungen, die Jahrzehntelang, das, was wir schon als definiert annahmen, neu geformt haben. Es liegt in unserer Hand, diese fruchtbare und innovative Kultur am Leben zu erhalten oder sie verschwinden zu lassen.
Gonzalo de Pedro Amatria, Artistic Director Cineteca Madrid

On & For Production and Distribution & Auguste Orts

Wir wurden über die österreichische Besorgnis bezüglich der prekären Situation der innovativen Filmförderung informiert. Wir wissen von jenen fehlenden Stimmen, die künstlerische und experimentelle Filme in den diversen österreichischen Filmförderungsbeiräten eigentlich repräsentieren sollten. Mit folgendem Brief möchten Auguste Orts und ich euch unsere Unterstützung zusprechen.
Wie Sie wissen, koordiniere ich ein europäisches Kooperationsprojekt mit dem Namen On & For Production und Distribution, das konzipiert wurde, um das Feld der künstlerischen, bewegten Bilder voranzutreiben und zu stärken. Das Projekt wurde durch Unterstützung des Programms Kreatives Europa der Europäischen Union ermöglicht und besteht aus einem Team von vier Partnern: Auguste Orts (BE), Kaunas International Film Festival (LT), LUX und LUX Scotland (UK) sowie Nordland Kunst -og Filmfagskole (NO).
Jeder Partner repräsentiert einen anderen Kontext, in dem das künstlerische, bewegte Bild gelehrt, produziert, ausgestellt, verteilt und gesammelt wird. Bereits über drei Jahre lang haben wir gemeinsam Veranstaltungen organisiert, um unterschiedliche Fachleute des bewegten Bildes zusammenzubringen: KünstlerInnen, Studierende und Lehrende, ProduzentInnen und Verleihe, KuratorInnen und ProgrammiererInnen und Repräsentanten von Kunst- und Filmorganisationen, sowie Fonds. Demnach vereinen wir ein breites Spektrum an professionellen Berufsgruppen, die eine wichtige, unterstützende Rolle in der Produktion und Distribution des europäischen, innovativen Films spielen.
Kürzlich durften wir Gerald Weber von sixpackfilm in Brüssel begrüßen, der in dem Seminar „Distribution Models, 26. April 2019“ sein Wissen über die beispielhafte Herangehensweise seiner Organisation teilte. Im Zuge dessen konnten wir viel über die Arbeitsweise von sixpackfilm erfahren: Distributionsmodell, Zahlen und Fakten. Die gelungene Präsentation möge ähnlichen Organisationen als Vorbild dienen. Erwähnenswert ist hierbei sixpackfilms Praxis, Filme zu akquirieren – durch einen demokratischen Prozess regelmäßiger, offener Aufrufe und wechselnder Jurys – sowie der weitreichende Erfolg von sixpackfilms Verleihkatalog, die Aufteilung der Vertriebserlöse zwischen KünstlerInnen und Organisation – die zum Großteil an den/die KünstlerIn gehen – sowie die Sorgfalt, mit der jedes Werk der Sammlung behandelt wird, ob analog oder digital und schließlich die fortschreitende Digitalisierung der Sammlung.
Der Vortrag hat uns in der europaweiten Vorbildfunktion von sixpackfilms Methoden und Ergebnissen bestätigt. Wir sind uns jedoch darüber im Klaren, dass der Erfolg einer solchen Organisation zunächst bei dem künstlerischen, bewegten Bild selbst, sowie seinen Unterstützern liegt. Ohne finanzielle Unterstützung würde der Bereich des innovativen Films einen großen und bedauerlichen Rückschritt machen. Werden KünstlerInnen nicht unterstützt und ermutigt, innovative Filme zu machen, wären auch die Organisationen, Kollektive und Verbände, die solche Werke produzieren, ausstellen und vertreiben, obsolet.
Als von KünstlerInnen betriebene Plattform, die seit 2006 das Bewegtbild von KünstlerInnen aktiv unterstützt, produziert, ausstellt und verbreitet, ist Auguste Orts mit dieser Bedrohung für gleichgesinnte Filmproduktions- und Vertriebspraktiker und Organisationen in der europäischen Bewegtbildszene vertraut.

Als besorgte Kolleginnen und Kollegen hoffen wir, dass Sie die Dinge noch wenden können und die nötige nationale Unterstützung finden, um das florierende Feld innovativer Filmpraxis, -produktion und -verbreitung in Österreich am Leben zu erhalten. Wir stehen solidarisch an eurer Seite.
Rebecca Jane Arthur, Projektkoordinatorin. On & For Production and Distribution
Marie Logie, Regie Auguste Orts

Javier Porta Fouz

Das internationale Filmfestival Buenos Aires (BAFICI) hat in seinen 21 Ausgaben eine leidenschaftliche Verbindung zum österreichischen Kino aufgebaut – insbesondere zu seinen avantgardistischen und gewagten Formen – durch Retrospektiven, Besuche, Bücher oder andere Formen der Zusammenarbeit mit den Beteiligten und den Institutionen einer der fruchtbarsten, facettenreichsten und beachtetsten Filmlandschaften der Welt. Darum blicken wir vom BAFICI mit Sorge auf die aktuellsten Vorgänge, die die reiche Tradition des österreichischen Kinos und seine Zukunft bedrohen und drücken hiermit unsere bedingungslose Unterstützung gegenüber der Petition der IG Filmkultur aus.
Javier Porta Fouz, Artistic Director. BAFICI – Buenos Aires Int. Independent Film Festival

Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien

Das innovative Filmschaffen aus Österreich, besonders im Bereich des experimentellen und Avantgardefilms, feiert nicht nur regelmäßig große Festivalerfolge. Es ist auch in der Filmwissenschaft und -publizistik eine international anerkannte Größe, die seit Jahrzehnten aufmerksam diskutiert und gewürdigt wird. Will das Bundeskanzleramt diesen Ruf nicht aufs Spiel setzen, dann müssen die ernannten Vertreter_innen über die fachliche Kompetenz verfügen, um die von ihnen zu treffenden Entscheidungen im Bewusstsein von Geschichte und Gegenwart künstlerischer Filmgestaltung reflektieren zu können. Aus diesem Grund unterstützt das TFM entschieden die Anliegen der IG Filmkultur.
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien

Zentrum für zeitgenössische Kultur von Barcelona

Sehr geehrter Kulturminister,
Ich schreibe im Auftrag von Xcèntric, dem Kino des CCCB (Zentrum für zeitgenössische Kultur in Barcelona, ​​Spanien), das sich dem experimentellen, avantgardistischen und kreativen Dokumentarfilm widmet.
Xcèntric wurde 2001 ins Leben gerufen und bildet das ständige Filmprogramm der CCCB. Mit seinen regelmäßigen Vorführungen im Winter und Frühling, sowie ganzjährigen Aktivitäten wie Workshops, Vorträgen und Veröffentlichungen, steht Xcèntric auch international für das „andere Kino“. Nicht nur sein treues Publikum, auch Filmspezialisten weltweit schätzen es sehr. Die Programmierung visionärer Arbeiten lässt uns die Grenzen des Kinos sprengen.
Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat Xcèntric wiederholt mit sixpackfilm zusammengearbeitet, woraus eine vertrauensvolle Beziehung entstanden ist. Sixpackfilm leistet wertvolle Arbeit in der Erhaltung und Verbreitung von Werken österreichischer FilmemacherInnen und ermöglicht Xcèntric eine Vielzahl talentierter, bisher unbekannter KünstlerInnen zu würdigen. Die weltweite Anerkennung des österreichischen-experimentellen Kinos gebührt nicht zuletzt der kuratierenden und detailgetreuen Arbeit von Institutionen wie sixpackfilm. Über die letzten 20 Jahre konnten wir zahlreiche österreichische Filmemacher, etwa Johann Lurf oder Kurt Kren, in unser Programm miteinbeziehen.
Das Xcèntric Archive ist eine einzigartige, kuratierte Sammlung experimenteller, avantgardistischer und dokumentarischer Filme mit über tausend Titeln. Ziel des Archivs ist, das experimentelle Kino einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen und zu einer breiteren Kenntnis des experimentellen Kinos beizutragen. Es enthält viele Filme aus der Sixpack-Film-Sammlung, wie z. B. Peter Tscherkassky, Valie Export oder Mara Mattuschka.
Wir sind fest davon überzeugt, dass Österreich in all den Jahren dank seiner experimentellen und avantgardistischen Filme und KünstlerInnen weltweite Anerkennung gefunden hat. Diese Erklärung soll die internationale Bedeutung des österreichischen Films und insbesondere der von Innovative Film Austria geförderten Filme ausdrücklich unterstreichen, sowie die Qualität und Vielfalt des österreichischen Kinos bestärken.
Carolina López, Direktorin von Xcèntric. Zentrum der zeitgenössischen Kultur, Barcelona

Karlovy Vary International Filmfestival

Mit großer Sorge verfolgen wir die aktuellen Ereignisse in den österreichischen Filminstitutionen, besonders in den beiden Beiräten, die über die Förderung von sehr unkonventionellen, ästhetisch innovativen Filmprojekten und die Förderung von Filmfestivals entscheiden. In jedem Komitee bedarf es einem fundierten Wissen des entsprechenden Bereichs, um Bewerbungen beurteilen zu können. Das gilt umso mehr für die Nische des experimentellen Kinos, das notwendigerweise außerhalb der Produktionsmittel von TV und Kommerz liegt. Diese schwerwiegenden Veränderungen innerhalb des Filmbeirats, wo detailliertes Wissen über zeitgenössisches Kino und seine diversen Trends kein notwendiges Kriterium mehr zu sein scheinen, unterlaufen die lange und reiche österreichische Filmkultur, wodurch einige der wichtigsten künstlerischen Vertreter plötzlich ihre Stimme verlieren könnten.
Karel Och, künstlerischer Leiter.
Martin Horyna, Programmer.

Mikosch Horn

Die unabhängige, nicht TV-abhängige Struktur der BKA-Filmförderung ist für uns immer Vorbild gewesen, wie eine lebendige Filmförderung aussehen kann, und sie ist unserer Meinung nach, gerade weil sie künstlerische Freiheiten einräumt, der Grund dafür, dass der österreichische Film international so erfolgreich war in den letzten Jahren. Die österreichische Politik wäre gut beraten, dieses Erfolgsmodell fortzusetzen. Damit das filmische Erzählen eine Zukunft hat.
Mikosch Horn, Hauptverband Cinephilie (Deutschland)

Berlinale Forum / Arsenal Berlin

Dass Filme aus Österreich in den letzten 20 Jahren einen festen Platz im Programm des Berlinale Forums hatten, ist kein Zufall, sondern Ausdruck von konstant hoher künstlerischer Qualität – und zugleich Folge einer intelligenten Förderpolitik: Mit der Förderung des innovativen Films beim BKA hat sich ein Instrument etabliert, um das die österreichische Filmbranche im Ausland beneidet wird, weil es ermöglicht, dass ästhetisch eigensinnige Arbeiten überhaupt entstehen können. Als Teil eines internationalen Festivals verstehen sich Forum und Forum Expanded als Plattform für Filme, die Wagnisse eingehen und Haltung zeigen. Dementsprechend fanden hier Weltpremieren von (u.a.) Ruth Beckermann, Sebastian Brameshuber, Tizza Covi und Rainer Frimmel, Gustav Deutsch, Nikolaus Geyrhalter, Johannes Holzhausen, Nina Kusturica, Ruth Mader, Karl Markovics, Bady Minck, Johann Lurf, Constanze Ruhm und Anja Salomonowitz statt. Damit weiterhin eine so große Vielfalt an Filmen mit Mut zum Experiment gemacht, gezeigt und diskutiert werden kann, braucht es für die vorhandene und bewährte Struktur kompetente Köpfe. Alles andere wäre fatal.
Milena Gregor, Birgit Kohler, Stefanie Schulte Strathaus, Vorstand des Arsenal – Institut für Film und Videokunst, Berlin

Revolver

Seit über zwei Jahrzehnten befassen wir uns in der Filmzeitschrift REVOLVER mit dem internationalen Filmschaffen und seinen VertreterInnen. Eine Reihe von Heften widmeten sich speziell österreichischen FilmemacherInnen und Filmproduktionen, weil wir Österreich als eine der inspirierendsten Filmnationen Europas und der Welt betrachten. Die Filmförderung hat daran einen nicht zu unterschätzenden Anteil. Deshalb rufen wir den Minister auf, die zahlreichen Stimmen von Künstlern aus der ganzen Welt und aus Österreich zu hören und die Neubestellung des Beirats der „Abteilung II/3 – Film“ des BKA zu überdenken.
Revolver, Zeitschrift für Film

Harun-Farocki-Institut

Seit Erfindung der Filmkamera ist der experimentelle Film ein wichtiger Faktor der Filmkultur – und durch die zivilgesellschaftliche Errungenschaft, diese mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen, auch selbstverständlicher Bestandteil der Filmförderung. Diese Tatsache bei der Neu-Besetzung des Beirats der BKA Filmförderung 2019 außer Acht zu lassen ist nicht nur fahrlässig, sondern demonstriert eine ausgeprägte Unkenntnis der Geschichte und Ökonomie des Films. Deshalb: Filmautor*innen (oder besser: Filmkünstler*innen) in den Beirat!
Harun-Farocki-Institut

Cecilia Barrionuevo

Die Werte, die ich mit österreichischem Kino verbinde, sind die Freude am Experiment, ein außergewöhnliches, formales Bewusstsein, eine imposante Bandbreite und einen wunderbar kritischen Blick auf Österreich und die Welt, wodurch die Neubesetzungen im Filmbeirat für innovativen Film umso mehr Sorgen bereiten. Mehr als 10 Jahre lang habe ich österreichische Filme für das internationale Mar del Plata Filmfestival ausgewählt, darunter Namen wie, Peter Tscherkassky, Johann Lurf, Martin Arnold, Lisl Ponger, Gustav Deutsch, Siegfried A. Fruhauf und Maria Lassnig. Die Aussicht, dass dieser reiche, international wichtige Rand des Filmemachens ausgetrocknet werden könnte, wäre sowohl eine unglaubliche Schande, als auch ein kultureller Skandal. Daher hat die Petition der IG Filmkultur meine volle Unterstützung.
Cecilia Barrionuevo, Artistic Director – Mar del Plata International Film Festival

Sergio Fant

Auf dem Trento Filmfestival, welches 1952 gegründet wurde und das nach Venedig das zweitälteste Italiens ist und nach wie vor das Top-Event in Europa in Bezug auf Bergfilme, hatten wir stets ein spezifisches Interesse an österreichischem Film, aufgrund der topografischen und kulturellen Nähe und natürlich der gemeinsamen Alpenlandschaft. Als Programmleiter des Trento Filmfestivals, aber auch schon zuvor als Kurator beim Filmfestival Venedig und danach in Locarno, habe ich viele, vom “Innovativen Film Österreich” – diese Institution, die innerhalb der Filmwelt für wegweisende Qualität und Visionen steht – geförderte Arbeiten verfolgt, bewundert und wann immer möglich auch präsentiert. Deshalb wünsche ich mir, dass diese Stelle ihre wunderbare Arbeit weiterführen und hoffentlich ihre wesentliche Unterstützung zum österreichischen Kino sogar noch verbessern darf, um indirekt Künstler, Filmemacher und Publikum weit über die Grenzen ihres Landes hinaus zu inspirieren.
Sergio Fant, Programmdirektor, Trento Film Festival (Italien)

Giona A. Nazzaro

Die aus Österreich kommenden Neuigkeiten, sind tatsächlich schockierende. Wir haben begonnen Österreich und seine Tradition, als ein vorwärtsdenkendes Land, zu lieben, ein Land das seine Künstler und deren innovative Kunstformen immer gefördert hat. Die Entscheidung, des österreichischen Kulturministers der konservativen, rechtsgerichteten Koalitionsregierung, in gleich zwei filmbezogenen Beiräten Mitglieder zu ersetzen, steht ohne Vergleich da. Österreich war immer schon ein Garant der künstlerischen Freiheit und des freien Ausdrucks. Diese Entscheidung bedroht Kunst und Künstler massiv und damit sicherlich auch die Möglichkeit, dass die Welt weitere Werke der mutigen, österreichischen Kreativen zu Gesicht bekommt. Wenn Kultur und Kreativität so unter die Mühlsteine kommen, wird es keinen Schutz mehr vor der Gleichschaltung der Gedanken und des Geschmacks geben. Als Leiter der internationalen Critics’ Week in Venedig, hoffe ich sehr, dass der Minister von seiner Entscheidung Abstand nimmt und auf die vielen Widerrufe von Künstlern aus Österreich und der ganzen Welt hört. Das Österreichische Filmerbe und seine Filmkultur, sollte nicht bekämpft, sondern geschätzt und geschützt werden. Kunst, Kino, Schönheit und Ideen habe keine Nationalität. Diese Werte gehören uns allen. Diese Entscheidungen betreffen und beeinflussen die Zukunft in der wir leben werden.
Bitte überdenken Sie diese schlecht informierte Entscheidung und hören Sie auf die, die sich damit auskennen.
Respektvoll, aber aufgewühlt und zutiefst besorgt,
herzliche Grüße,
Giona A. Nazzaro, General Delegate,
Settimana Internazionale della Critica Venezia (Int’l. Critics Week Venice)

Gerhard Wissner

Seit 1990 arbeitet das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest mit sixpackfilm zusammen. Gut 100 Filme sind in Kassel auf großer Leinwand präsentiert worden und diese können als „Markenzeichen“ für Österreich verstanden werden. Zuschreibungen wie innovativ, experimentell, neugierig, mutig und einfach anders umfassen die Klasse dieser Arbeiten. Der innovative und experimentelle Film aus Österreich ist ein kultureller Exportschlager und ohne diesen wäre das Kasseler Dokfest in seinem kuratorischen Profil ärmer. sixpackfilm leistet beispielhaft eine Verleiharbeit, von der andere Länder – so auch Deutschland – nur träumen können. Die eigenständige Förderung – nicht nur von sixpackfilm – muss erhalten, besser noch, ausgebaut werden.
Gerhard Wissner, Leiter Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest

Wouter Jansen

Österreich ist bis heute wohlbekannt in der internationalen Filmgemeinschaft für sein starkes, innovatives Kino der letzten Jahrzehnte. Die kontinuierliche und starke Unterstützung dieses Bereichs durch die kulturelle Förderung, die es Filmemachern ermöglichte ohne künstlerische Einschränkungen zu arbeiten, war ein wichtiger Grund dafür. In meiner Funktion als Kurator habe ich über die Jahre eine hohe Anzahl an österreichischen Kurzfilmen gezeigt und hoffe das wird in den kommenden Jahren so bleiben.
Wouter Jansen Some Shorts distribution, Freelance film curator, the Netherlands

Jonathan Pouthier

Als Kurator einer öffentlichen Institution betrachte ich es als unsere Pflicht, die Kunst in all ihrer Vielfalt zu bewahren. Österreichs innovative Filmproduktion hat bis zum heutigen Tag bewiesen, dass sie eine der Hauptakteure in Europa ist und weltweit als eine der reichsten und fruchtbarsten angesehen wird.
Die gegenwärtige Situation mit der Nominierung eines neuen Beirats ist sehr alarmierend für die Filmgemeinschaft. In einer Zeit der generellen Globalisierung, ist es umso wichtiger, unsere kulturellen Einzigartigkeiten und Qualitäten zu fördern und zu unterstützen.
Jonathan Pouthier, Curator, Centre Pompidou. Paris

Jed Rapvogel

Im Auftrag des Anthology Film Archives, möchte ich meinen Sorge bezüglich der Veränderungen im Förderbeirat für innovativen Film und des Festivalbeirats zum Ausdruck bringen. Anthology’s gesamte Mission fußt auf der Überzeugung, dass unabhängiges, nicht kommerzielles Schaffen unabdingbar für eine gesunde und florierende Kultur ist, egal wie ungewürdigt dieses im gesellschaftlichen Kanon sein mag. Österreich gehört schon lange Zeit zu den wenigen außergewöhnlichen Gesellschaften in der Welt, welche seine unabhängigen Avantgarde-Filmemacher aufrichtig wertgeschätzt und unterstützt hat. Das Ergebnis ist eine kompromisslose, innovative Filmlandschaft, die weltweit Anerkennung genießt. Im Anthology, welches vom großartigen österreichischen Filmemacher Peter Kubelka mitbegründet wurde und das vor fast 50 Jahren seine Türen öffnete, haben wir mit großer Freude regelmäßig Arbeiten von unabhängigen, österreichischen Filmemachern gezeigt. Dank der Unterstützung (sowohl finanzielle, als auch moralische), die unabhängigen Filmemachern in Österreich zur Verfügung steht, waren diese Veranstaltungen immer wieder ein wichtiger Teil unseres Programms und haben dafür gesorgt das die österreichische Experimentalfilm Szene kontinuierlich zu einer der reichsten und lebhaftesten der Welt zählt. Ich hoffe das dieser Teil der österreichischen Kultur weiterhin so wertgeschätzt und unterstützt wird, wie er es sich redlich verdient hat. Das kann nur gelingen, wenn die Entscheidungen in die Hände derjenigen gelegt werden, deren Vertrautheit mit, und deren Hingabe zum innovativen österreichischen Kino, sie berechtigt, darüber zu urteilen.
Jed Rapvogel, Anthology Film Archives

Stella Rollig

Der innovative, experimentelle Film hat in Österreich eine große Tradition und Gegenwart. Kunstschaffende wie Valie Export, Peter Kubelka oder Kurt Kren, deren Werke in der österreichischen Geistesgeschichte der Moderne verankert sind, zählen zur internationalen Avantgarde. Sie legten den Grundstein für heute international einflussreiche Filmkünstler_innen von Dietmar Brehm bis Lotte Schreiber. Ohne diese medienreflexive künstlerische Praxis, der wir überwältigend schöne Leinwandmomente verdanken, wäre das kulturelle Erbe dieses Landes und seine interdisziplinäre Gegenwartskunst um vieles ärmer.
Stella Rollig, Generaldirektorin Österreichische Galerie Belvedere

Michal Bregant

Es ist extrem wichtig, dass die Institutionen, die einen Einfluss auf kulturelle Werte haben, diese Werte am Leben erhalten. Ich denke, das ist der Kern ihrer Mission. Viele Kulturen existieren nebeneinander – reiche und arme, populäre und unbequeme, gewinnbringende und bescheidene – und sie alle müssen respektiert werden, um ein kulturelles Ökosystem aufrecht zu erhalten. (Und alle als „Gegenkultur“ bekannten Formen und Formate sollten niemals ausgeschlossen sein). Sonst bekommen wir nur ein langweiliges, an Profit orientiertes Produkt einer populistischen Verschwörung.
Für verschiedene Entscheidungen brauchen wir unterschiedliche ExpertInnen – mit ihrer originalen Erfahrung, ihrem Wissen und Geschmack. Kulturelle Entscheidungen werden nicht für den jetzigen Moment getroffen, sondern für die Zukunft. Auch wenn das jetzt zu optimistisch klingt, sollten wir die Zukunft nicht auf ein paar simple Aufgaben in der Gegenwart reduzieren.
Österreichisches Kino verdient einen Beirat aus ExpertInnen/ EntscheidungsträgerInnen, der unvoreingenommen und hoch respektiert ist und der sich des jetzigen Rufs und des Potentials der österreichischen Filme, FilmemacherInnen, Filminstitutionen und Filmveranstaltungen bewusst ist.
Michal Bregant, CEO. Národní filmový archiv, National Film Archive. Prague

Catherine Bizern

Im Herz unser alten Europa, behaltet uns das Ö-Kino uns noch schöne Überraschungen: oft mit hybride Formen, diese Filme zwischen Doku und Fiktion untersuchen neue Narrativ und schöpfen neue Mythologien. Diese äußerst zeitgenössischen Filmen werden nicht selten im Festival rund um die Welt anerkannt. Sie sind wesentlich und unverzichtbar für das Weltkino sowie für jeder von uns. Die Förderung von Innovative Film Austria muss weiter die Möglichkeit dass diese Film im komplette Freiheit die Welt erblicken gewährleisten.
Catherine Bizern, artistic director Cinéma du Réel, Paris

Erni Mangold

ES WÄRE DAS ENDE, WENN DIESE ZWEI BEIRÄTE BESETZT WÜRDEN. WAS WILL MAN DAMIT ERREICHEN?
EXPERTINNEN SIND NICHT MEHR GEFRAGT?

DANKE HERR BLÜMEL.
LG ERNI MANGOLD

Michelle Carey

Mit wahrem Schock und Entsetzen erfahre ich von der Ankündigung, dass mehrere Mitglieder des österreichischen Filmbeirats ersetzt wurden und über den schädlichen Effekt dies bereits auf die österreichische Filmkultur hat – und beginnt auch international zu haben.
Österreich hat eine der dynamischsten und wichtigsten Filmkulturen der Welt heutzutage, eine die international von den meisten Ländern beneidet wird.
Ich wage zu behaupten, sie ist so wichtig wie das andere österreichische Kulturerbe, z.B. wie Mozart, Klimt oder Freud.
Über die Jahre hinweg hat sie bedeutsame Beachtung gefunden im Melbourne International Film Festival (wo ich 10 Jahre lang die Direktion innehatte) und in anderen australischen Institutionen, wo viele österreichische Filmemacher die Festivals besuchten und an Workshops mit Filmstudenten teilnahmen, usw.
Ganz zu schweigen von der einzigartigen Reise, die das unabhängige, dokumentarische und experimentelle österreichische Kino auf wichtigen Festival weltweit gemacht hat.
Bitte überdenken Sie ernsthaft noch einmal diese Entscheidung. Das österreichische Kino ist viel zu wichtig, um zerstört zu werden.
Michelle Carey (senses of cinema, Filmkritikerin)

David E. James

Das Avantgarde-Kino ist eines meiner akademischen Schwerpunkte. Ich unterrichte es sowohl im Undergraduate, als auch im Graduate-Studium und habe darüber zwölf Bücher veröffentlicht. In meinen Kursen und Schriften verweise ich auf die Filmlandschaften der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und Österreichs. Das österreichische Kino hat unübertroffene, globale Bedeutung. Viele österreichische FilmemacherInnen zählen weltweit zu den Innovativsten, Radikalsten und Einflussreichsten aller Zeiten. Peter Kubelka und Kurt Kren sind Aushängeschilder des Kinos und jüngere Filmemacher wie Martin Arnold, Valie Export und Peter Tscherkassky (um nur einige zu nennen, die ich regelmäßig in meinem Unterricht bespreche) machen Österreich bis heute zum Zentrum des Weltkinos.
David E. James, Professor. University of Southern California, Los Angeles

Alejandro Díaz Castaño

Österreichische Experimental-, Avantgarde- und Autorenfilme gehören weltweit zu den lebendigsten, mutigsten und innovativsten Arbeiten. Dazu zählen Werke sowohl altgedienter als auch junger Filmschaffender wie Peter Tscherkassky, VALIE EXPORT, Peter Kubelka, Michaela Grill oder Johann Lurf, und vieler mehr. Die meisten dieser KünstlerInnen werden von Sixpack vertreten, einem der renommiertesten Unternehmen in dieser Branche weltweit. Es ist äußerst wichtig, dass wir weiterhin diese Filmschaffenden unterstützen, da sie neue Wege im zeitgenössischen Kino beschreiten und unsere Erfahrungswelten als ZuseherInnen und Filmfans bereichern.
Alejandro Díaz Castaño, Direktor des 57. Gijon International Film Festival – FICX

Jean-Pierre Rehm

Seit über fünfzehn Jahren habe ich die Ehre und das Vergnügen, als Leiter des Internationalen Filmfestivals von Marseille (FIDMarseille), für jede Ausgabe mehrere österreichische Filme auszuwählen. Jahr für Jahr freue ich mich darauf, angesichts der Qualität und Einzigartigkeit, die die Bedeutung dieser Filme unterstreichen. Diese Filme – egal ob dokumentarisch, fiktional oder experimentell wurden in mehreren Phasen ihrer Herstellung von einer bemerkenswerten Organisation unterstützt: dem Österreichischen Fonds für innovative Filme. Ich hoffe, dass diese wertvolle Organisation seine Arbeit für das österreichische Kino fortsetzen kann.
Gestatten Sie mir, Barbara Fränzens beachtliche Arbeit an der Spitze der Filmabteilung ihres Landes zu unterstützen, ihr besonderes Engagement für den Bereich “Innovativer Film”, einer äußerst wertvollen Struktur, die eine vielfältige, höchst originelle nationale Filmproduktion ermöglicht und unterstützt, die es so nur im österreichischen Kino gibt.
Jean-Pierre Rehm, Direktor FID Marseille Festival Internationale du Cinema

Maike Mia Höhne

In den vergangenen Jahren habe ich für die Berlinale als Kuratorin der Berlinale Shorts eine Vielzahl an experimentellen, innovativen österreichischen Filmen für den Wettbewerb um den Goldenen Bären für den besten kurzen Film ausgewählt. Die große Besonderheit, um die nicht nur die Künstler*innen aus Deutschland die Künstler*innen aus dem Nachbarland beneiden, sondern weltweit werden die Österreicher*innen um diese Möglichkeit freundlich geneidet, ist die Möglichkeit, innovative Filme produzieren zu können, weil sie gefördert werden. Es ist ein zugewandtes, neugieriges Neiden.
Die Filme werden durch so exzellente Verleiher*innen wie sixpackfilm professionell in die elitäre Liga der A Filmfestivals gebracht und von da gehen sie in die Welt. Die Künstler*innen aus Österreich sind weltweit bekannt für ihren experimentellen, innovativen, wissenschaftlich analytischen Film. Jedes Jahr werden eine Vielzahl von Arbeiten produziert und garantieren so das hohe Niveau der Forschung, der Weiterentwicklung von Film. Es gibt weltweit kein anderes Fördersystem, das sich so dezidiert der Innovation verschrieben hat. Diese Filme, diese Forschung, kann nur passieren, weil es diese Fördermittel gibt, die von Experten*innen der Form selbst, des innovativen Films, vergeben werden.

Bewegtbild ist die Zukunft. Ohne Innovation keine Zukunft. Umso wichtiger ist es, dass garantiert ist, dass diese Förderung nicht aufhört, dass sie weiterhin mit Spezialisten*innen in den unterschiedlichen Gremien besetzt ist. Es ist wichtig, dass die Förderung in ihrer Breite und Vielfalt bestehen bleibt.

Mit großer Sorge habe ich die jüngsten Neubesetzungen der Gremien zur Vergabe der Mittel verfolgt. Es braucht Spezialisten des innovativen Films an den Vergabestellen für den innovativen Film, um die hohe Qualität der Filme zu garantieren. Griechisch wird auch nicht vom Französischlehrer unterrichtet.
Maike Mia Höhne
Künstlerische Leitung KurzFilmFestival Hamburg
(ehemalige Leiterin der Sektion Berlinale Shorts der Berlinale)

Christa Blümlinger

Seit den 1980er Jahren hat der innovative österreichische Film weltweit stetig zunehmende Aufmerksamkeit erhalten. Dies ist nicht nur den Auszeichnungen auf internationalen Festivals und den Retrospektiven und Ankäufen von Filmen durch namhafte Kinematheken und Museen geschuldet, sondern auch den Publikationen in einschlägigen Film- und Kunstzeitschriften abzulesen. Das große Interesse, das dem zeitgenössischen Avantgarde-, Dokumentar- und Kurzfilmschaffen Österreichs, wie auch dem innovativen Spielfilm zukommt, ist überdies in zahlreichen internationalen Studien (in diversen Katalogen und Buchpublikationen, in mehreren Sprachen) dokumentiert. Es besteht kein Zweifel darüber, dass das filmkulturelle Ansehen Österreichs heute ganz zentral von diesen „kleinen“ Formen getragen wird.
Ich möchte vor dem Hintergrund meiner Kenntnis der Geschichte und der Gegenwart des österreichischen Films mit Nachdruck auf die zentrale Funktion verweisen, die den Förderinstanzen, insbesondere des BKA, in Bezug auf die Erhaltung dieses international höchst anerkannten Spektrums zukommt. Es ist bei der Besetzung der entsprechenden Gremien in erster Linie die Kompetenz der in Frage kommenden Mitglieder zu berücksichtigen. Eine lebendige und vielfältige Filmproduktion entsteht nicht von heute auf morgen, sie kann jedoch binnen Kürze nachhaltig beeinträchtigt werden. Denken Sie an die Zukunft und an die Geschichte, die auf dieser Welt dem Filmkulturerbe Verpflichteten werden es Ihnen danken!
Christa Blümlinger, Professorin für Filmwissenschaft
Université Paris 8 Vincennes-Saint-Denis

Andréa Picard

Die österreichischen Experimentalfilmschaffenden gehören zu den erfolgreichsten und talentiertesten der Welt und bauen auf einer großartigen Geschichte auf. In meinem Job als TIFF-Mitarbeiterin und Kuratorin verschiedener Projekte freue ich mich jedes Jahr auf die neuesten Film- und Videoarbeiten im Bereich der Experimental- und Kunstfilme aus Österreich. Diese Filmschaffenden stehen führend an der Spitze einer wichtigen internationalen Debatte und es ist daher unerlässlich, dass ihre Projekte von ExpertInnen beurteilt und gefördert werden, die auch tatsächlich die Bedeutung und den hervorragenden Beitrag dieser Werke erkennen. Kunst hat nichts mit Bürokratie zu tun und sollte daher entsprechend behandelt werden.
Andréa Picard
Senior Film Curator
Curator, Wavelengths; Co-curator, Platform
Toronto International Film Festival

Fred Truniger

Österreich war in den vergangenen Jahrzehnten ein außergewöhnliches Filmland. Sein Filmschaffen zeichnet sich durch Inklusion aller Gattungen und durch Innovation aus, die in anderen Ländern nie erreicht wurde. Die Filmförderung mit Personen zu besetzen, die eine offene Filmkultur nicht vertreten, ist als direkter Angriff auf Vielfalt und Toleranz zu werten. Im Interesse der Freiheit der Kunst in einer offenen Gesellschaft und damit verbunden des Rufs der Österreichischen Republik in der Welt, kann man eigentlich nur hoffen, dass die (offenbar fast ausschließlich männlichen) Entscheidungsträger sich nicht nur ihrer Macht, sondern auch ihrer Verantwortung bewusst werden.
Prof. Dr. Fred Truniger
Leiter Master Film, Hochschule Luzern – Design & Kunst

Nicole Brenez

Es muss wohl nicht zum wiederholten Mal unterstrichen werden, wie großartig die österreichische Kultur ist. Persönlichkeiten wie Karl Kraus, Adolf Loos, Arnold Schönberg, Anton Webern, Alban Berg, Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Robert Musil, Egon Schiele, Elfriede Jelinek, Arnulf Rainer und viele mehr, sind der Grund, warum wir im Ausland Österreich so sehr lieben und schätzen.
Dasselbe Phänomen finden wir auch in der Filmkultur wieder. Gestern waren es Max Reinhardt, Leontine Sagan, Erich von Stroheim, Georg Wilhelm Pabst, Karl Grune, Peter Kern und heute sind es Peter Kubelka, Kurt Kren, Otto Muehl, Dietmar Brehm, Peter Tscherkassky, Mara Mattuschka, Gustav Deutsch, Siegfried A. Fruhauf, Elke Groen und viele andere, die der Kinogeschichte zur Ehre gereichen.
Der österreichische Staat ist es heute der Geschichte des eigenen Landes schuldig, dass er das künstlerische Erbe und auch die zeitgenössischen KünstlerInnen mit allen Mitteln schützt, unterstützt und fördert. Zumindest aber sollten entsprechende Positionen mit kompetenten Menschen besetzen werden.
Nicole Brenez
Sorbonne nouvelle University
La FEMIS
La Cinémathèque française

Jonathan Rosenbaum

To the Austrian Minister of Culture and the Arts:

I’m shocked and appalled by your decision to ignore and abandon the traditions that have made Austria the most sophisticated and accomplished purveyor and promoter of experimental cinema in the world in exchange for a form of mainstream mediocrity that will remove Austria from the status of being any sort of beacon and exemplar and will make it indistinguishable from other countries–or perhaps even behind most of them in its race towards the bottom (by which I mean the bottom line). Please reconsider your drastic and destructive decision.

Sincerely,
Jonathan Rosenbaum, film critic (Chicago, U.S.A.)

Filmredaktion ZDF/ARTE, Dr. Catherine Colas

Sehr geehrter Herr Minister Blümel, sehr geehrte Damen und Herren,

Die Stärke einer Filmkultur erwächst immer dem heimischen kreativen Nährboden und ihrer internationalen Vernetzung.

Insofern dürfte es Sie nicht verwundern, dass wir von unseren besorgten österreichischen Kollegen auf die Neubesetzungen im Beirat der Filmförderung im Bundeskanzleramt aufmerksam gemacht wurden. Wir teilen die Sorge unserer Kollegen, dass mit den Neuberufungen und Veränderungen ein wesentlicher Teil des Erfolgsmodells der österreichischen Kinofilm-Produktion aufs Spiel gesetzt wird.

Aus unserer – ein wenig neidvollen – Sicht beruht der außergewöhnliche Erfolg des österreichischen Films, der erst jüngst wieder durch die Auswahl der ARTE Co-Produktion „Little Joe“ von Jessica Hausner für den Wettbewerb von Cannes bestätigt wurde, ganz entschieden auf der Stärke seiner Fördergremien.

Fördergremien sind dann stark, wenn sie unabhängig und kompetent sind und dazu über ausreichende Mittel verfügen. Gerade in Zeiten, in denen die Mittel knapp sind, fällt der Expertise in der Auswahl noch mehr Bedeutung zu. Mit der „Gießkanne“ ist dann niemanden mehr geholfen.
Wir haben in der Vergangenheit bei Kurz- und Langfilmen, bei experimentellen Stücken und klassisch erzählten Spielfilmen immer wieder von der Innovationskraft des österreichischen Kinos profitiert: Ob durch Lizenzankäufe oder bei international vielfach prämierten Koproduktionen, wie z.B.:

„Hotel“ von Jessica Hausner
„Licht“ von Barbara Albert
„Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“ von Bernhard
Wenger
„Copy Shop“ von Virgil Widrich

Bereits die Kurzfilme von Jessica Hausner und Barbara Albert wurden vor Jahren durch die Filmförderung im Bundeskanzleramt gefördert, so wird seit Jahrzehnten nicht nur der experimentelle Film, sondern auch beim Nachwuchs eine innovative Filmsprache unterstützt, die zu internationalen Erfolgen führt.

Im Sinne einer Stärkung des europäischen Films möchten wir Sie bitten, die Veränderungen in den Fördergremien zu überdenken und die Förderung in ihrer Breite, Substanz, Kompetenz und Innovationskraft zu bewahren, bzw. zu stärken.
Damit wäre nicht nur dem österreichischen Film gedient, sondern auch der Co-Produktionslandschaft in ganz Europa.

Mit freundlichen Grüßen
Filmredaktion ZDF/ARTE, Dr. Catherine Colas

Lars Henrik Gass

Ich schließe mich der Erklärung der IG Filmkultur an. Filmkultur darf nicht dem Einfluss des Fernsehens oder anderer wirtschaftlicher Interessen unterstellt werden. Außerdem muss der Anteil von Frauen an kulturellen Entscheidungen erhöht werden.
In Österreich hat man sehr früh verstanden, dass künstlerischen wie wirtschaftlichen Interessen je besser gedient ist, wenn man sie trennt. Das hat sowohl künstlerisch wie wirtschaftlich zu überzeugenderen Ergebnissen geführt und, erstaunlich genug, auch zu einer gegenseitigen Befruchtung. Die geplante Vermischung gefährdet diese Entwicklung.“
Lars Henrik Gass, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

25 fps

Sehr geehrter Herr Minister Blümel,

Österreichische Kinematografie hat viele Gesichter und eines davon ist sicherlich der innovative Film. Dieses Filmgenre hängt von den talentierten AutorInnen ab, die seit Jahren Formen und Bedeutungen von Filmsprache erforschen. Weil dies abseits der Kommerzialität stattfinden muss, sind diese Arbeiten großteils von Unterstützung der staatlicher Förderung abhängig.

Diese Unterstützung referiert nicht nur auf finanzielle Hinsicht, sondern auch auf Professionalität und Sachverstand von Entscheidungsträgern. Aus diesem Grund unterstützen wir die IG Filmkultur in Ihren Bemühungen österreichischen Film durch qualifiziertes Personal zu vertreten – ohne jeglichen politischen Einfluss.

Österreichischer innovativer Film, gemeinsam mit seinen AutorInnen, nimmt Teil im gesamten Programm des 25 FPS Festivals für Experimentalfilm und Video seit seiner Gründung im Jahr 2005. Wir verfolgen seit mehr als 10 Jahren sein Wachstum, seine steigende Entwicklung und stetige Anerkennung, die den österreichischen FilmemacherInnen weltweit entgegengebracht wird.

Hiermit appellieren wir an die Bevollmächtigten, Ihre Entscheidung zu überdenken. Denn der innovative Film, in der globalen kinematografischen Gesellschaft gesehen, steht als Synonym für eine der interessantesten Formen österreichischer Identität.
Mario Kozina, Sanja Grbin, Marina Kožul, Branka Valjin
25 FPS – International Experimental Film and Video Festival, Zagreb Kroatien, Kuratoren und Produzenten

Mark Toscano, Academy of Motion Picture Arts and Sciences

A major strength of historical and contemporary Austrian cinema has been its dedication to experimentation, artistic and technical advancement, and diverse perspectives, and many of Austria’s greatest films and filmmakers working for these principles have been doing so from an independent or non-commercial standpoint. These filmmakers working in this manner have given Austrian cinema the international acclaim that it enjoys.
The recent actions of the Minister of Culture to inappropriately overhaul Austria’s film advisory councils has now placed the attitude of these councils squarely in the realm of the predictably commercial, the mainstream, and the gender-biased in a way that does not reflect the innovation and independent voice of Austria’s robust and legendary film and arts community. Innovation and artistic excellence comes strongly and predominantly from independent voices pushing boundaries and trying new things, and it is extremely disappointing that these actions undermine this completely.
I protest this approach and urge the Minister to reconsider these actions, that the film councils should reflect a proper representation of gender, viewpoint, and artistic and social empathy.
Mark Toscano, Archivist, Curator, and Film Professor
Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Barbara Steiner

Der experimentelle (innovative) Film hat eine lange Tradition und ist auch wesentliches Aushängeschild österreichischen Kunstschaffens.
Formale Anregungen aus dem Kunstfilm, in dem experimentiert und erprobt wurde und wird, tauchten und tauchen zeitverzögert in anderen Genres auf – bis hin zur Werbung. Darüber hinaus finden in den Arbeiten von etwa VALIE EXPORT, Mara Mattuschka, Peter Tscherkassky, Peter Kubelka, Friedl vom Gröller und beispielsweise auch Siegfried Fruhauf, Johann Lurf, Lotte Schreiber, Sasha Pirker, Sabine Marte jene filmischen und gesellschaftlichen Reflexionen statt, die den Filmbereich und Auseinandersetzungen mit Film heute lebendig halten.
Barbara Steiner, Leitung Kunsthaus Graz

Cintia Gil

Democracy and Freedom are fundamental values that must be constructed everyday, through every sector of society, and fundamentally through an active and conscious citizenship. Film, in its different forms and genres, is a very effective tool for that collective growth – free and independent creation is a condition for it.
Austrian independent filmmaking has been inspiring across the world – along the years, we have seen a very rich diversity in forms, a very deep commitment to the most dignified values, in a surprisingly innovative amount of films. Also, Austria hosts some of the most important film events in the world, that along the years have been examples of independence and quality.
Therefore, we at Doclisboa – International Film Festival strongly repudiate any political interference concerning the artistic criteria for film funding, as well as the current shift in the criteria for the choice of juries, in particular for the Innovative Film Austria fund. We consider this a very negative sign of political manipulation of culture and arts, of a clear attack against a precious patrimony and community, that has proved to be serious, dedicated and internationally relevant.
We express our solidarity to all the Austrian colleagues who stand for independent and free artistic creation, and we remind the Austrian government that Austrian Cinema is not their possession, it is an international richness that we shall defend.
Cintia Gil, Director DocLisboa

Hemma Schmutz

Die von der Filmförderung des Bundeskanzleramtes unterstützten Filme innovativer KünstlerInnen sind ein fixer Bestandteil der Ausstellungsprogramme und Sammlungen österreichischer Museen. So konnte das Lentos in den letzten Monaten die hervorragenden Filme der renommierten FilmemacherInnen Dietmar Brehm, Josef Dabernig, VALIE EXPORT und Peter Kubelka präsentieren oder erwerben.
Hemma Schmutz, Künstlerische Direktorin Lentos Kunstmuseum Linz

JI.HLAVA INTERNATIONAL DOCUMENTARY FILM FESTIVAL

Österreich ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Zentren für die Vielfalt des Kinos in der Welt. Es gibt dort hunderte von Filmen, vor allem Avantgardefilmen, die das Gesicht des Kino weltweit geprägt haben.
Der Vertrieb Sixpackfilm ist eine der 10 wichtigsten Vertrieben des experimentalen Films weltweit. Seine Sammlung und die neuen Filme, die jedes Jahr erscheinen, sind immer ein wichtiger Teil des Programms des Jihlava International Documentary Film Festivals.
Jedes Jahr zeigt unser Festival österreichische Filme, die mit Unterstützung des Innovativen Filmfonds produziert wurden, die eine grosse Auswahl an künstlerischen Zugang zeigen und ein Gefühl und ein Bestreben die Mitteln des Kino in all seiner Vielfalt zu ergründen.
Wir schätzen die grosse Sensibilität, Bildung, tiefe Kenntnis der Geschichte und der aktuellen Richtungen des Kinos, die Vertriebe, Kuratoren, Programmgestalter und Akademiker aus Österreich zusammen mit diesen Filmen seit langer Zeit vertreten.
(Marek Howorka, director. Petr Kubica, program director. Andrea Slovakova, programmer.
Katarina Holubcova, executive director. Jihlava International Documentary Film Festival

Thomas Logoreci

Mein Name ist Thomas Logoreci, ich bin ein albanisch-amerikanischer Filmemacher, Autor und Filmfestival Kurator, der in Osteuropa lebt und arbeitet. Ich habe kürzlich erfahren, dass der österreichische Kulturminister einige qualifizierte Mitglieder der Beiräte im Fachbereich Film ausgetauscht hat. Ich bin sehr besorgt durch diese bedauernswerte Entscheidung und habe meinen Namen unter die Onlinepetition gesetzt. Ich fordere, dass der Minister seine Entscheidung widerruft und diese wichtigen Positionen denen übergibt, die im Bereich des bewegten Bildes die höchste Expertise aufweisen, um der Aufgabe gerecht zu werden.
Thomas Logoreci, Filmmaker